Szklarska Poręba (Schreiberhau)

Im Labyrinth der Pfade, Legenden und Naturschätze

     Die Luft ist kühl wie der über dem Bergbach hängende Felsen, durchdrungen vom Duft des Mooses und der Fichtennadeln, herb im Geschmack, ganz klar. Am Horizont zeichnet sich das Riesengebirge ab, das gerade im satten Rosa des Sonnenuntergangs verschwimmt. Und diese zerfetzte Wolke darüber - ist das vielleicht der lange Bart des einst Rübezahl genannten Berggeistes, des unangefochtenen Herrschers über dieses Land, der ebenso alt ist wie es selbst?
     Ich stehe auf der dem Glaserweg (Szklarska Droga), dem alten Weg, der einst die Glashütten in Szklarska Poręba (Schreiberhau) mit denen in Harrachov (Harrachsdorf) verband, am Rande der Biała Dolina (Weißes Tal), und frage mich, ob ich aufs Rad steigen und nach unten ins Zentrum fahren soll, um zwischen den Pensionen aus dem 19. und 20. Jahrhundert und den Fachwerkhäusern, die unter dem Ściernisko (839 m) verstreut liegen, umher zu fahren, oder hier zu bleiben und sich bis ganz zum Schluss vom Sonnenuntergang faszinieren zu lassen. Ich bleibe. Die Zeit verstreicht langsam, dehnt sich aus wie jenes Band aus Nebel, das gerade im Tal der Bäche Bieleń und Szlifierska Struga aufzusteigen beginnt.
     Der Charme von Szklarska Poręba, des touristischen Zentrums im westlichen Riesengebirge bzw. östlichen Isergebirge, wurde Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Damals entstand hier eine Künstlerkolonie, die u. a. von den Gebrüdern Hauptmann - dem Schriftsteller Gerhart und dem Dichter, Philosophen und Naturwissenschaftler Carl - sowie dem Maler und Lithografen Hermann Hendrich begründet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg "retette" hauptsächlich der Maler Wlastimil Hofman, der sich 1947 hier niederließ, die künstlerische Tradition; heute wird sie u. a. von dem Grafiker Krzysztof Figielski und dem Bildhauer Zbigniew Frączkiewicz fortgesetzt. Der künstlerische Glanz des Ortes, vor allem aber seine attraktive landschaftliche Lage und die hier meist langen und schneereichen Winter haben ihn zu einem Zentrum des Wandertourismus und des Wintersports werden lassen.
    Dabei waren es weder die Künstler noch die Touristen die den Grundstein des Ortes legten, sondern Bergleute, die im Gebirge Quarz und Pyrit für die hiesigen Glashütten abbauten, die Waldarbeiter und Holzköhler. Szklarska Poręba wird meist in drei Teile geteilt: Szklarska Poręba Dolna, Średnia und Górną (Unter-, Mittel- bzw. Ober-Schreiberhau), wobei das Zentrum sich in letzterem befindet. Zusammen mit den Siedlungen Marysin, Szklarka, Biała Dolina, Huta und Jakuszce, die jeweils ihren eigenen Charakter haben, bildet er den ausgedehntesten Teil der Ortschaft. Die erste Glashütte entstand hier schon vor 1366, doch den größten Ruhm brachte Schreiberhau die 1842 gegründete Hütte "Julia". Unschätzbare Helfer der ersten Glasmacher waren die Wallonen - mittelalterliche Gold- und Edelsteinsucher, die bereits Mitte des 13. Jahrhunderts in diese Gegend kamen. Da sie das Gelände bestens kannten, konnten sie den Glasmachern zeigen, wo der im Isergebirge reichlich vorhandene Quarz vorkam. Spuren dieser eigenartigen Menschen, die auch an die Existenz verzauberter Schätze glaubten, sind nicht nur geheimnisvolle Zeichen, die sie hier und da an den Felsen in Labyrinthen aus tausenden von Gängen hinterließen, sondern auch Ortsnamen wie Goldbach (Złoty Potok), Płóczka oder Wallonenstein (Waloński Kamień). Es ist dunkel geworden. Ich mache mich auf den Weg, denn in meiner Fantasie treibt mich der in einer dunklen Wolke verborgene Rübezahl aus dem Gemälde von Hermann Hendrich, und das Waldesrauschen lässt mich erschaudern.... Vielleicht wird daraus gerade eine Zauberformel, die das legendäre Abendschloss (Wieczorny Zamek) im nahen Zwalisko-Massiv öffnen soll?
 
Sandra Nejranowska
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